Fernwärme: Anschlussleistung verstehen und sparen
Sie wollen Ihre Wärmekosten überprüfen? Ein genauer Blick kann sich durchaus lohnen. Denn nach Sanierungen oder Dämmmaßnahmen wird die Anschlussleistung oft nicht angepasst. Möglicherweise können Sie die Anschlussleistung reduzieren und dadurch Ihre Grundkosten senken. Wir zeigen Ihnen, was Sie beachten müssen.

Ihre Fernwärmerechnung setzt sich aus zwei wesentlichen Komponenten zusammen: dem tatsächlichen Verbrauch in Kilowattstunden und der abgerechneten Anschlussleistung.* Während die Meisten den Verbrauch im Blick haben, wird die Anschlussleistung oft übersehen. Ein Fehler: Denn je höher die Anschlussleistung, also Ihre maximale Wärmeleistung, ist, desto höher auch der Grundpreis und damit Ihre fixen Heizkosten.
Darum können Ihre Grundkosten zu hoch sein
Häufig stimmt die ursprünglich festgelegte Anschlussleistung nicht mehr mit dem tatsächlichen Wärmebedarf Ihres Hauses überein. Gründe dafür gibt es viele: der Einbau neuer Fenster, eine verbesserte Dämmung oder Veränderungen in der Nutzung Ihres Gebäudes. Wurde die Anschlussleistung nach solchen Maßnahmen nicht angepasst, ergibt sich möglicherweise ein Einsparpotenzial.
*Die bereitgestellte Anschlussleistung und abgerechnete Anschlussleistung sind nicht zwingend identisch.
So prüfen Sie Ihre Anschlussleistung selbst
Mit einer einfachen Berechnung verschaffen Sie sich einen ersten Überblick, ob Ihre Anschlussleistung noch optimal eingestellt ist. Die sogenannten Vollbenutzungsstunden dienen dabei als Indikator. Sie zeigen, wie viele Stunden Ihre Anlage rechnerisch mit voller Leistung laufen müsste, um Ihren Jahresverbrauch zu decken.
Bitte beachten Sie: Die Vollbenutzungsstunden sind ein hilfreicher Richtwert, aber nur ein Kriterium von mehreren. Bei Passivhäusern oder Niedrigenergiehäusern können die Werte aufgrund der besonderen Bauweise abweichen. Eine fachliche Prüfung gibt Ihnen Sicherheit.
Was tun bei Optimierungspotenzial?
Haben Ihre Vollbenutzungsstunden ergeben, dass eine Anpassung sinnvoll sein könnte? Dann empfehlen wir Ihnen folgendes Vorgehen:

Heizlastberechnung beauftragen
Beauftragen Sie einen qualifizierten Fachbetrieb mit einer Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Diese Norm ist der anerkannte Standard und stellt sicher, dass Ihre Wärmeversorgung auch nach der Anpassung jederzeit gewährleistet bleibt. Ein Energieberater oder Heizungsfachbetrieb kann diese Berechnung für Sie durchführen. Als Ergebnis dieser Prüfung erhalten Sie ein Dokument mit der empfohlenen Leistung.
Wichtig zu wissen: Für die Heizlastberechnung entstehen Kosten, die Sie direkt mit dem beauftragten Fachbetrieb abrechnen. Für die technische Anpassung vor Ort fallen ebenfalls Kosten an. Informieren Sie sich vorab über die anfallenden Gebühren.
Anpassung beauftragen
Mit der Heizlastberechnung können Sie die Anpassung Ihrer Anschlussleistung bei Ihrem Fernwärmeversorger beauftragen. Sollte aufgrund der Anpassung ein technischer Umbau notwendig sein, erstellen wir Ihnen gerne ein Angebot dazu. Nach Terminvereinbarung erfolgt die technische Anpassung direkt vor Ort an Ihrer Übergabestation.
Sie können gemäß §3 der AVBFernwärmeV mit einer Frist von vier Wochen zum Monatsende die vertraglich vereinbarte Leistung um insgesamt bis zu 50 Prozent anpassen. Beispiel: Sie beauftragen die Leistungsreduzierung am 28. Oktober 2025. Die Anpassung und Berücksichtigung in der Wärmeabrechnung erfolgen spätestens ab dem 1. Dezember 2025.
Häufige Fragen zur Anschlussleistung
Die Anschlussleistung bezeichnet die maximale Wärmeleistung, die Ihnen an der Fernwärme-Übergabestation zur Verfügung gestellt wird. Sie wird in Kilowatt (kW) gemessen und so ausgelegt, dass Ihre Räume auch bei bis zu -10 °C auf etwa zwanzig Grad Celsius beheizt werden können.
Wie viel Leistung dafür benötigt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Diese können sein:
- Größe der beheizten Wohnfläche in Quadratmetern
- Bedarf an Warmwasser in kW
- Energetischer Standard Ihres Gebäudes (Dämmung, Fenster, Bauweise)
Je besser diese Faktoren aufeinander abgestimmt sind, desto effizienter arbeitet Ihre Anlage und desto geringer fallen Ihre Kosten aus.
Ist die Anschlussleistung zu gering eingestellt, kann es passieren, dass Ihre Räume an sehr kalten Tagen nicht ausreichend beheizt werden oder das Warmwasser nicht die gewünschte Temperatur erreicht. Deshalb ist eine fachgerechte Heizlastberechnung so wichtig. Sie stellt sicher, dass auch nach einer Reduzierung genügend Leistung für Ihren tatsächlichen Bedarf zur Verfügung steht.
Als Mieter:in können Sie Ihre Hausverwaltung oder Vermieter:in auf das Thema ansprechen und um eine Überprüfung bitten. Die Vollbenutzungsstunden lassen sich anhand der Heizkostenabrechnung berechnen. Bei Mehrfamilienhäusern profitieren alle Mietparteien von einer optimierten Anschlussleistung, da sich die Grundkosten auf alle Wohneinheiten verteilt.
Es entstehen zwei Kostenpositionen: die Erstellung der Heizlastberechnung durch einen externen Fachbetrieb und die technische sowie vertragliche Anpassung durch Ihren Fernwärmeversorger. Die Kosten für die Heizlastberechnung variieren je nach Fachbetrieb und Umfang der Berechnung. Für die technische Umsetzung vor Ort erhalten Sie auf Anfrage Informationen über die aktuellen Preise.
Ja, grundsätzlich ist eine erneute Anpassung möglich, wenn sich Ihre Gebäudesituation oder Ihr Nutzungsverhalten nochmals ändern. Jede Anpassung bringt jedoch erneute Umbaukosten mit sich und sollte gut überlegt und auf Basis einer aktuellen Heizlastberechnung erfolgen, um eine zuverlässige Wärmeversorgung sicherzustellen. Konkret heißt das: Eine Reduzierung können Sie einmal pro Jahr vornehmen. Erhöhungen bedürfen ebenfalls einer Vereinbarung mit uns. Ein häufiger jährlicher Wechsel ist leider nicht möglich.