Speicher spielen im Energiesystem von morgen eine immer größere Rolle. Sie setzen an einem Flaschenhals der Energiewende an, indem sie Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abstimmen.
Im Frühjahr 2024 begann die Steag Iqony Group mit dem Bau eines Wärmespeichers in Nachbarschaft zum Heizwerk Gelsenkirchen-Schalke. Im Rahmen einer feierlichen Einweihung am 8. Juli 2026 wurde die kürzlich erfolgte Inbetriebnahme gemeinsam mit der Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur, und der Oberbürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen, Andrea Henze, gewürdigt.
„Unser Wärmespeicher macht die Ruhrfernwärme flexibler, sicherer und nachhaltiger. Mit dieser großen Thermoskanne können wir klimafreundliche Wärme zeitlich entkoppelt nutzen: Wir nehmen sie verstärkt bei ihrer Entstehung auf und stellen sie bei höherem Bedarf und knapper Erzeugung bereit. Dieser Meilenstein war echte Teamarbeit. Mein großer Dank gilt allen Projektbeteiligten, unserem Partner Bilfinger sowie dem Land NRW als Fördermittelgeberin und der Stadt Gelsenkirchen als starke Unterstützerin“, so Gundolf Schweppe, CEO der Steag Iqony Group anlässlich der feierlichen Eröffnung.
Unterstützung vom Land NRW und der Stadt Gelsenkirchen
Ministerin Mona Neubaur hält dazu fest: „57 Meter hoch, 31 Millionen Liter Wasser – und trotzdem im Kern ganz einfach: eine Thermoskanne für die Wärmewende. Was die Steag Iqony Group hier in Gelsenkirchen gebaut hat, zeigt, wie Fernwärme in Ballungsräumen zukunftsfest wird. Wir fördern solche Speicher gezielt, weil sie den Unterschied machen zwischen Wärme, die einfach nur da ist, und Wärme, die dann da ist, wenn die Menschen sie brauchen.“
Das Projekt mit einem Investitionsvolumen von rund 30 Millionen Euro wird vom Land Nordrhein-Westfalen mit Mitteln aus dem „Programm für rationelle Energieverwendung, regenerative Energie und Energiesparen“ – kurz progres.nrw – gefördert; die Förderung beläuft sich auf rund 7,1 Millionen Euro.
Oberbürgermeisterin Andrea Henze ergänzt: „Unser Entwurf zur kommunalen Wärmeplanung liegt ja aktuell öffentlich aus. Im Ergebnis zeigt der Entwurf, dass das Fernwärmeangebot weiter verdichtet wird und eine Erweiterung möglich ist. Umso wichtiger ist dieses Projekt, denn es ist ein Meilenstein für die Dekarbonisierung und ein wichtiger Beitrag zum Gelingen der lokalen Wärmewende. Potenziell kann der neue Speicher das lokale Fernwärmenetz zwei volle Tage mit Wärme versorgen und erhöht somit die Flexibilität und die Sicherheit dieser Form der Wärmeversorgung.“
Funktionsprinzip Thermoskanne
Der Wärmespeicher funktioniert wie eine große Thermoskanne. Mit einer Höhe von 57 Metern und einem Durchmesser von 28 Metern kann er bis zu 31 Millionen Liter Wasser speichern – so viel wie rund 200.000 Badewannen.
Die Besonderheit ist, dass der Wärmespeicher zu jeder Zeit komplett mit Wasser befüllt ist. Im oberen Bereich befindet sich rund 90 Grad warmes Wasser, das Druck auf den abgetrennten unteren Bereich (sog. Nutzbereich) erzeugt. So kann das Wasser dort auf bis zu 115 Grad erhitzt werden, ohne dass es zu verdampfen beginnt. Im Nutzbereich lagert das Wasser in zwei Schichten. Oben im Vorlauf befindet sich das heiße, unten im Rücklauf das weniger warme Wasser mit einer Temperatur von rund 60 Grad.
Beim Aufladen des Speichers wird über ein Rohrleitungssystem das kältere Wasser von unten abgepumpt, mithilfe von Wärmetauschern auf 115 Grad erhitzt und oben wieder in den Speicher eingespeist. Soll der Speicher das Netz mit Energie versorgen, wird das heiße Wasser oben aus dem Speicher ins Netz gepumpt, und unten wird das von den Kunden zurückkommende, kältere Wasser nachgefüllt.


